Dienstag, 25. Juni 2013

Eine Doppellesung und zwei Interviews

Anfang Juni wurde ich vom Autor Steffen Bärtl zu einer Lesung eingeladen.

Im art.gerecht in Berlin Friedrichshain fand diese statt.

Als Erste las die Autorin Dorothee Sargon aus ihren Büchern “Hier bin ich der Boss-oder?”, “Ein Leben ist für mich nicht genug” und “Arbeitsleben ade, Rentnerleben o.k.” vor und stellte auch ihre Kinderbücher von Brummi, dem Bären vor. Diese las dann Andreas Hähle vor, der Brummi seine Stimme in den Hörbüchern leiht.

Dorothee Sargon 

Dorothee war mir auf Anhieb sympathisch und ihre Art, wie sie die Bücher stimmungsvoll, lustig und spannend vorstellte, machte mich sofort neugierig auf ihre Werke.

Eine wirklich bemerkenswerte Frau.

Als Zweites las Andreas Hähle erotische Gedichte vor und wurde dabei von Harfenmusik begleitet.

 Andreas Hähle 

Dieser Part gefiel mir nicht so gut. Ich mag erotische Literatur eigentlich sehr gerne und bin auch nicht prüde oder so, aber vieles war mir doch etwas zu direkt.

Alles in allem war es aber ein sehr unterhaltsamer Nachmittag und Abend.

Ich lernte dort neben Dorothee Sargon auch endlich einmal Steffen Bärtl persönlich kennen. Seine Bücher lese ich sehr gerne und war gespannt, was für ein Mensch der Autor ist. Ein sehr netter, kann ich euch verraten ;)

Und nun habe ich noch zwei Interviews für euch.

Interview mit Steffen Bärtl

-Seit 2009 hast du sechs Bücher veröffentlicht, 2012 deinen eigenen Verlag gegründet und außerdem arbeitest du noch als Altenpfleger. Hast du da noch Zeit für ein Privatleben und Hobbies? Und welche wären das?

Man kann sagen, dass das Bücher-Schreiben mein Hobby ist. Dabei fühle ich mich wohl und versinke oftmals in die Welt meiner Protagonisten. Ein Privatleben bleibt da meisten hinten dran, wenn man etwas erreichen will. Ist ja ähnlich, wie bei einer ehrgeizigen Frau, die ihre Karriereleiter bis zur Chefetage erreichen will und auf vieles verzichten muss.

-Seit wann schreibst du schon und weshalb hast du damit begonnen?

Mit der Schreiberei habe ich relativ jung angefangen. In der Schule, als man es mir beibrachte. *grins*

Daraus entwickelte sich die Leidenschaft Geschichten zu erfinden. Was mit Kurzgeschichten angefangen hat und mit fiktiven Drehbüchern fortgesetzt wurde, endete ab 2009 in Büchern. Meine Geschichten hatten plötzlich immer mehr Seiten aufzuweisen.  während meines Berufslebens entwickelte sich die Schreiberei zum Stressausgleich, was bisher auch weiterhin gut funktioniert. Dadurch sind inzwischen einige Bücher entstanden.

-Woher nimmst du die Ideen für deine Bücher?Holst du dir Inspiration bei realen Personen?

Meine Inspiration für das Schreiben beziehe ich teilweise aus dem wahrem Leben, von wahren Ereignissen und fiktiven Zusammenhänge. Handlungsstränge schreibe ich, als würde ich sie so in einem Film sehen wollen. Ebenso setze ich die Cuts  bzw. wechsel die Handlung so, um den Spannungsbogen zu erhöhen.

Bei Autoren ist es meistens so, jedenfalls bei mir, dass der Protagonist oder die Protagonisten vorwiegend der eigenen Person entsprechen oder unmittelbar Menschen, die man kennt. Man legt Charakterschwächen und Stärken von realen Personen auf die Romanfiguren, so dass sie beim Lesen menschlicher und realer wirken.

 

-Wo recherchierst du?

Geht es um Fachtechnische Details, versuche ich vorwiegend die Wissensportale iM Inernet für meine Recherche zu nutzen. Finde ich etwas nicht, dann schreibe ich schon mal die ein oder andere behörde, wie den Bürgerservice des  Ausenministeriums an, um an Informationen zu gelangen. So habe ich z.B. erfahren, welche Aufgaben zu einem Botschafter gehören und wo seine Befugnisse eigentlich enden. Dadurch erhielt der erste André Hartmann Roman "Das Geheimnis der Osiris" seine Realitätstreue. Ansonsten versuche ich meine Urlaubszeit so zu nutzen, dass ich an die orte fahre oder fliegen, wo ein größerer Teil der Handlung spielt. So habe ich bereits Paris für Hartmann 2. Band "Der Sturm des Orients" zu Fuß erkundet. Im Februar habe ich Wien bereist und Informationen vor Ort gesammelt, um für den nächsten Hartmann Roman, "Das Wien Protokoll" relevante Fakten einzufügen.


-Steckt auch etwas von dir in André Hartmann, dem Protagonisten deiner Politthriller?

André Hartmann ist zweifelsohne ein Produkt meiner Kreativität. Umso mehr ich mit ihm zu tun hatte, umso mehr musste ich feststellen, wie sehr er mir ähnelt. Wie ein Spiegelbild oder ein Zwilling, ein Klon, der mich stets begleitet. Viele meiner Eigenschaften habe ich ihm zu Lasten gelegt. Der ruhige Nachbar, dem man nicht anmerkt, dass er an der Rettung der Welt beteiligt war.


-Bisher hast du Politthriller geschrieben, wie kamst du dann auf die Idee, ein Jugendbuch zu schreiben?

Eigentlich war das Jugendbuch "Der magische Brunnen der Zeit" mit 90% eher fertig gestellt, als ich mich an Hartmann setzte. "Der magische Brunnen der Zeit" war zum damaligen Zeitpunkt ein Versuch, eine Geschichte mit Zeitreise, Historische Geschichte und Abenteuerlust zu formen und zu gestalten. Erst später stellte ich fest, dass ich mich im Genre des Polit-Thrillers eher zu Hause fühle.


-Wird es mehr davon geben?

Bisher sind zwei weitere Abenteuer um Charly Townsend geplant. Die Storylines stehen fest. Wenn es die Zeit zulässt und ich mich ein wenig von André Hartmann erholen möchte, dann könnte ich mir vorstellen, dass eines der beiden Storylines zu zu einem Manuskript und später zum Buch verfasst werden.


-Woran arbeitest du gerade?

Zurzeit sitze ich am vorletzten Kapitel von "Der Rattenfänger von Berlin", einem Krimi, gemischt mit Thriller und Psycho. Protagonist ist Peter Hartenfels, der einen Mörder nicht nur durch Berlin jagt. Die geplante Veröffentlichung ist für Ende Oktober oder Anfang November vorgesehen.


-Was liest du privat?

Bei den vielen Aktivitäten die ich ausübe, komme ich kaum zum Lesen. Und wenn ich mal etwas Luft habe, dass lese ich meistens in Fachbüchern herum, die historische Geschichte der Vergangenheit beinhaltet. Man könnte sie auch als Bilanz der Welt ansehen. Es bildet, man lernt dazu und der Geist wird dadurch angeregt, vielleicht weitere Buchideen zu erschaffen.

 

Interview mit Dorothee Sargon:

1. Dorothee, du hast erst spät mit dem Schreiben angefangen. Hat es dich nicht schon viel früher in den Fingern gejuckt? Und weshalb hast du den Schritt nicht schon früher gewagt?

Ans Schreiben habe ich nie gedacht, jedoch erzählte ich gern erlebte Geschichten aus meinem bunten, arbeitsreichen Leben. Ich merkte, dass meine Zuhörer mit der Zeit unersättlich wurden. Mit 55 Jahren sagte ich dann einmal scherzhaft: "Wenn ich pensioniert bin, werde ich ein Buch schreiben." Aber ich musste erst 68 Jahre alt werden und in den letzten unausgepackten Umzugskisten wühlen, in denen ich meine alten Tagebücher wieder fand, u. a. auch die über die ersten sechs Jahre meines Sohnes. Das Schreibfieber packte mich mit aller Macht, nun kann ich nicht mehr aufhören. In früheren Jahren hatte ich keine Zeit, arbeitete oft in 2 - 3 Berufen und lernte mit 47 Jahren noch den Beruf der Kosmetikerin. Täglich arbeite ich 6 Stunden als Sekretärin, nachmittags im eigenen Studio, oft bis Mitternacht als Kosmetikerin, übernahm die Massage-Abendkurse dieser Schule für 8 Jahre jeweils im Frühjahr und Herbst, 2 x wöchentlich für je 2 Monate im Jahr.

2. Was war der Grund, es dann doch zu versuchen?

Nachdem ich nach circa 40 Jahren die Aufzeichnungen über den Werdegang meines eigenwilligen Sohnes und die  eingeleiteten Erziehungsmaßnahmen gelesen hatte, war die Idee geboren, das Buch "Hier bin ich der Boss - oder!" zu schreiben, denn zwischen uns gab es einen täglichen Wettstreit, wer wohl der Boss im Hause ist. Noch bevor ich anfing, war der Titel in meinem Kopf.

"Ein Leben ist für mich nicht genug" und "Arbeitsleben ade! Rentnerleben okay?" schrieb ich in  3 Monaten.   

3. Worüber schreibst du?

Über Geschichten aus dem Leben, und ich finde, dass das Leben die besten Geschichten liefert. Ich schreibe Kinderbücher, die alle einen erzieherischen Wert haben, aber niemals mit erhobenem Zeigefinger,  Biografien, Reiseberichte (Mein Traum, Ayurveda in Indien), Romane und Erlebtes von Freunden, wie z. B. die Geschichte über Love- und Romance-Scamming, um Frauen zu warnen. Auch die Geschichte über den Smart habe ich selbst erlebt. Beide können auf meiner Homepage gelesen werden.

4. Woher holst du deine Inspiration?

Wenn ich ein Thema habe, kommt die Inspiration von allein beim Schreiben.

5. Wer darf deine Manuskripte als Erstes lesen?

Meine Freundin in Thüringen liest meine Geschichten zuerst. Sie ist es auch oft, die mir Anstöße gibt, über bestimmte Themen zu schreiben.

6. Was liest du privat?

Biografien, Romane, Gedichte

7. Hast du ein Lieblingsbuch oder einen Lieblingsautoren?

Ja, das Buch von Rose Kennedy, der Mutter der Kennedy-Kinder "Alles hat seine Zeit"

Das hat mich sehr beeindruckt.

8. Woran arbeitest du gerade?

Von Brummi gibt es noch 2 Folgen. In Folge 5 lernt er seine menschlichen Geschwister kennen. In Folge 6 will seine Mutter wieder heiraten und nach Berlin ziehen. Brummi will keine Patchworkfamilie und stellt wieder eine Menge an.

Ich schreibe außerdem an einem Roman aus dem Chattermilieu. Meine Protagonistin Katharina wird von Michael, einem 17 Jahre jüngeren Mann aus Australien, angeschrieben und sie chatten nun jeden Tag. Mit Hellsehen, Astralreisen, Leben nach dem Tod, Tonbandstimmenforschung usw. hat sich meine Protagonistin nie beschäftigt. Sie muss sich mit diesen Themen aus ganz bestimmten Gründen auseinandersetzen. Auch mit der Tatsache, dass immer mehr Menschen ihr Glück im Internet suchen. Michael gesteht ihr eines Tages, dass er sie liebt, aber Katharina glaubt mit ihren 55 Jahren nicht mehr an die Liebe. Ebenfalls eine fast wahre Geschichte.  

 

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Dorothee und Steffen für das Interview und den netten Abend im art.gerecht.

1 Kommentar:

  1. Danke für deinen Beitrag!

    Ich war auch an diesem Tag im artgerecht anwesend und kann sagen es war ein seht Interessanter Nachmittag mit sehr schönen Lesungen. Von Dorothee Sargon war auch ich sehr beeindruckt und fasziniert. Auch ich bin durch ihre Art der Lesung auf ihre Werke sehr Neugierig geworden.

    Aber mir hat auch die erotische Lesung von Andreas Hähle sehr gut gefallen. Sie ist einzigartig und bekommt durch die Stimme und der Art und Weise des Vorlesen richtig lebendigen Charakter. Zu Direkt finde ich sie nicht. Zumal es kommt doch immer auf den Zuhörer an wie er sich durch seine Fantasie mitreißen lässt und wie direkt er es aufnimmt. Für mich ist die erotische Lesung: " wir trinken Wein und dann..." die beste erotische Lesung die ich erleben durfte.

    Was mich auch sehr beeindruckt hat, war die Tatsache, das alle Autoren ihr Honorar spontan gespendet haben zu Gunsten des vom Hochwasser betroffenen Kunsthofgohlis in Dresden.

    Für mich war das auch ein wundervoller Nachmittag. Danke nochmal an Alle.


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